29.07.2010 00:00 by Erlanger Nachrichen
Traditionsgemäß zum Ende des Semesters präsentiert die „English Dramatic Society“ (EDS) des Sprachenzentrums der Friedrich-Alexander-Universität eine (Komödien-)Produktion im Experimentiertheater der Uni in der Bismarckstraße.
Derzeit ist es William Shakespeares Stück „Love‘s Labour‘s Lost“ (,‚Verlorene Liebesmüh‘“), das sich einem Thema widmet, mit dem sich viele (oder gar die meisten?) Menschen ihr ganzes Leben herumschlagen: der Liebe. Dabei hat Regisseurin Kirsten Henry wieder eine gute und engagierte Truppe zusammengebracht, die diese Komödie bravourös in Szene setzt.
Am Hofe des Königs von Navarra herrscht Aufregung. Der König (gespielt von Tim Halpin) ist fest entschlossen, sich drei Jahre nur dem wissenschaftlichen Studium zu widmen - und zwar ganz ohne störende Faktoren wie Freude, Luxus und speziell Frauen. Zu diesem Zweck überredet er seine Freunde Berowne (Kirsten Henry), Longaville (Stephen Mayfield) und Dumain (Jan-Philipp Stauffert) einen Eid abzulegen: Drei Jahre wollen sie sich ganz auf ihre Studien konzentrieren, einmal in der Woche fasten, niemals länger als drei Stunden schlafen — und, was das Wichtigste ist: Keiner noch so charmanten Frau soll es gestattet sein, sie in ihrem Streben nach Wissen zu irritieren. Das ausgerechnet, als sich gerade die Prinzessin von Frankreich (Alexandra Chlepas) mit ihrem lieblichen Gefolge zum Besuch angekündigt hat, um den Herren der Schöpfung kräftig einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Köstlich agieren die Schauspieler in ihren Rollen. Allen voran Kirsten Henry als humorvoller und listiger Berowne, Alexandra Chiepas als verführerische Prinzessin und Emily Neubauer als temperamentvoller und liebestoller Don Armado. Die Mischung aus Original-Text, humorvollen Gags und stimmungsvollen Liedern (brillant vorgetragen von Simone Albrecht) hat Schwung und sorgt im Nu für gute Laune, von der sich die Zuschauer im gut gefüllten Experimentiertheater anstecken lassen.
Männer umwerben ihre Angebetete mit poetischen Ergüssen und finden in Briefen die blumigsten Worte, um ihre Schönheit zu beschreiben. Hier könnte sich mancher Mann in den Zeiten von SMS und E-Mail ruhig bei Shakespeare eine Scheibe abschneiden. BEATE WINDHORST